Vision Zero: Null Tote und Schwerverletzte im Verkehr

4500 Menschen sind im Jahr 2008 im Straßenverkehr gestorben, 408.000 wurden schwer verletzt. Kinder sind besonders gefährdet. "Null Tote und Schwerverletzte im Straßenverkehr" ist das langfristige Ziel des Konzepts Vision Zero, das in Deutschland unter anderem der Verkehrsclub Deutschland e. V. (VCD) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) verfolgen. "Jeder Unfall ist vermeidbar", lautete vor mehr als 100 Jahren das Motto des US-amerikanischen Chemieunternehmens DuPont. Es prägte den Begriff Vision Zero und setzte ein entsprechendes Betriebsschutzprogramm erfolgreich um. Das Ziel auf den Straßenverkehr zu übertragen, klingt zwar utopisch. Doch Mitte der 90er Jahre entwickelte die schwedische Straßenverkehrsbehörde den Ansatz Vision Zero weiter, im Herbst 1997 beschloss die schwedische Regierung, das Konzept zur Grundlage ihrer Verkehrssicherheitspolitik zu machen.

Kind auf Fahrrad gelehnt

Der Einzelne trägt die Verantwortung nicht mehr allein

Vision Zero geht davon aus, dass Menschen im Straßenverkehr Fehler machen, egal, wie sehr sie sich bemühen, es nicht zu tun. Das System Verkehr muss sich deshalb an den Menschen anpassen, nicht nur der Mensch an den Straßenverkehr. Alle Elemente des Verkehrssystems werden so sicher gemacht, dass das Gesamtsystem Fehler verzeiht und niemand mehr bei Unfällen getötet oder schwer verletzt wird. Bei Vision Zero trägt nicht mehr der oder die Einzelne allein die Verantwortung für einen Unfall. Politiker, Planer, Straßenbauer, Polizei, Autohersteller, Versicherungen – jede Ebene verpflichtet sich, ihren maximalen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten und mit den anderen zusammenzuarbeiten.
"Das System Straße setzt sich aus den Elementen Mensch, Fahrzeug, Straße und Gesetz zusammen", erklärt der VCD-Bundesvorsitzende Michael Gehrmann. "Das sind die Handlungsfelder für mehr Sicherheit im Straßenverkehr." In seinem Masterplan Vision Zero erläutert der VCD, welche konkreten Schritten umgesetzt werden müssten, um die Zahl der Verkehrsopfer langfristig auf null zu bringen.

Kinder in Planungen einbeziehen

Ein sehr wichtiger Punkt ist dabei eine ganzheitliche Mobilitätserziehung. Kinder sollen entdecken, dass umweltfreundliche Fortbewegung, also Zu-Fuß-Gehen, Rad oder Roller fahren, sie nicht nur unabhängiger macht, sondern auch Spaß bringt. Sie sollen lernen, dass Verkehr ein soziales System ist, in dem sie Verantwortung übernehmen müssen – und das sie mitgestalten können: Wenn Kinder eingebunden werden in die Planung von Schulwegen, wenn sie befragt werden nach ihren Schleichwegen und nach den Problemen, die ihnen auf ihren täglichen Strecken begegnen, können Unfälle im Vorfeld vermieden werden.
Die Stadt Osnabrück hat das im Jahr 2001 erstmals umfassend getan. Mehr als 80 Kinder aus dem Ortsteil Haste untersuchten ihre Schul- und Freizeitwege. Die Stadt wollte neue verkehrsberuhigte Zonen ausweisen und bezog die schwächsten Verkehrsteilnehmer in alle Planungsphasen ein: Analyse der Verhältnisse, Konzepterstellung und Umsetzung erster Schritte für mehr Verkehrssicherheit. Seitdem beteiligt die Stadt bei größeren Verkehrsberuhigungsprojekten grundsätzlich auch Kinder. Diese Form der Kinderbeteiligung ist bundesweit neu und hat Osnabrück mehrere Preise eingebracht.