Zusammen tritt man weniger allein
Tandems eignen sich bestens für die alltägliche Mobilität mit Kindern. Sie sind eine Null-Emissions-Alternative zum motorisierten „Elterntaxi“ – mit hohem Spaßfaktor.

Die Nallingers haben eine Doppelgarage – als einzige Familie in einem 11-Parteien-Haus im Bonner Stadtteil Beuel. Dabei parken nicht einmal Autos darin. Sondern Skateboards, Tretroller, Inline-Skates, Einräder, acht Fahrräder – und ein Tandem.
Katrin und Rainer Nallinger haben mit der Geburt ihres Sohnes Peter das Auto abgeschafft. Es stand sowieso nur die ganze Zeit herum. Peter ist mittlerweile 13 Jahre alt, seine Schwester Nora wird demnächst 12. Beide lieben das Radfahren – und vor allem das Radeln mit dem Tandem. „Das ist lustig“, sagt Nora. „Wie normales Fahrradfahren, man muss nur weniger doll treten.“ „Und man wird ganz schön schnell mit dem Teil!“, ergänzt ihr Bruder. „Ist auch kein Wunder, man ist ja mit zwei MS unterwegs. Mit zwei Menschenstärken“, erklärt der 13-Jährige und grinst verschmitzt. Zusammen tritt man eben weniger allein.
Kinder als Co-Piloten auf dem Tandem, oder als „Stoker“, wie es im Fachjargon heißt: Das macht nicht nur dem Nachwuchs Spaß, sondern schont auch die Nerven der Eltern. „Wenn Nora oder Peter im Stadtverkehr mit mir auf dem Tandem sitzen, geht es mir besser, als wenn sie mit ihrem eigenen Fahrrad hinter mir herfahren“, sagt der 51-jährige Rainer Nallinger, der wie seine Frau in der Bonner Stadtverwaltung arbeitet. „Ich brauche dann nur zwei Augen statt mindestens drei. Und die Kinder sind auch entspannter. Sie können sich auf mich verlassen und sich zwischendurch ausruhen, wenn sie keine Lust mehr haben zu treten. Außerdem können wir uns auf dem Tandem prima unterhalten.“
Ein Tandem sei das passende Gefährt für das sogenannte Mobilitätsloch, sagt Reiner Kolberg vom Kölner Fahrradunternehmen Zwei plus zwei. Er ist Projektleiter der Initiative „Elterntaxi“, die Tandems als optimale Alternative zum elterlichen Hol- und Bringdienst per Auto bekannt machen will. „Mit etwa sechs Jahren sind Kinder aus Fahrradanhängern und -Sitzen herausgewachsen, können sich aber ohne die Eltern noch nicht sicher im Straßenverkehr bewegen“, sagt Kolberg. „Die gemeinsame Fahrt mit einem Tandem ist sicherer und schneller, als wenn die Grundschüler mit ihrem eigenen Rad hinterherstrampeln. Die Kinder sind optimal unter der Aufsicht der Eltern.“ Außerdem lernten sie als Co-Piloten spielerisch die Verkehrsregeln, so Kolberg. „Wenn die Mutter beispielsweise an einem Stoppschild anhält, kann sie ihrem Kind, das ja automatisch ins Verkehrsgeschehen einbezogen wird, gleich die Bedeutung des Zeichens erklären.“ Und das Beste sei, dass sich Eltern und Kind als Team erlebten, sagt Kolberg. Im Gleichtakt strampeln stärkt Gemeinschaftsgefühl und Vertrauen.
Der Text ist ein Auszug aus einem Artikel in der fairkehr 2/2008. Mehr lesen Sie im fairkehr Magazin.
